Power(n) für Pänz Sommerferienaktion

Leverkusener Kinder lernen schwimmen

Bereits seit 2004 organisiert das Frauenbüro der Stadt Leverkusen und der Sportpark Leverkusen das Benefiz-Projekt "Power(n) für Pänz". Seit dem letzten Jahr lautet das Motto des Projekts "Jedes Leverkusener Kind soll schwimmen lernen".

Nach Verkehrsunfällen ist der Ertrinkungstod die zweit häufigste Todesursache bei Kindern. Dies liegt zu großen Teilen daran, dass fast jedes zweite Kind die Grundschule als Nichtschwimmer verlässt.

Ziel des neu ausgerichteten Projektes ist es daher, den Kindern in Leverkusener Grundschulen einen Schwimmunterricht zu ermöglichen.

 

Erfahrungsbericht von Frau Jung (Lehrerin,Kursleiterin)

Im Schuljahr 2011-2012 durfte ich am Projekt Power(n) für Pänz mitwirken. Ich habe 2 Schulen und Vorschulkinder mehrerer Rheindorfer KiGa`s beim Schwimmen begleitet.

 

Den Kindern Spaß am Schwimmen zu vermitteln war mein persönliches Ziel und das war in manchen Fällen nicht einfach.

 

Manche KiGa Kinder sind teilweise durch dieses Projekt zum ersten Mal ins Schwimmbad gekommen und hatten natürlich auch großen Respekt vor dem Wasser. Schön zu sehen war das sich alle Kinder am Ende der Kurse frei durchs Wasser bewegt haben.

 

Bei dem normalen Schulunterricht ist es Lehrern nicht gestattet mit in das Wasser zu gehen, Ich konnte dagegen mit ängstlichen Kindern in kleineren Gruppen im Wasser üben.

 

Durch das Powern mit den Pänz kann ich nur sagen das es aus meiner Sicht sehr erfolgreich war und ich der Meinung bin das nicht nur die Nichtschwimmer davon profitiert haben sondern auch die Kinder, die schon Schwimmen konnten,  da die Lehrer sich auch für diese Kinder mehr Zeit nehmen konnten.

 

Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren weiter machen können mit Power(n) für Pänz!

Helene Jung

 

Erfahrungsbericht vom Herrn Scholz (Diplomierter Sozialpädagoge)

Derzeit betreue ich zwei Jungs und drei Mädchen. Die Kinder/Eltern dieser Kinder stammen ursprünglich aus der Türkei, Russland, Polen und Afrika. So ist es auch kein Wunder, dass wie auch in New York, dem sogenannten „Melting Pot“, verschiedene Kulturen, Weltanschauungen und Ansichten aufeinanderprallen. Durch den Schwimmunterricht und den Austausch der Kinder untereinander vor, während und auch nach dem Schwimmen lernen die Kinder viel voneinander. Unter anderem lernen sie Toleranz, den anderen mit anderen Ansichtsweisen zu akzeptieren und friedlich Sport zu treiben. Auf eine sportlich, spielerische Art lernen die Kinder den oder die andere(n)so zu akzeptieren, wie sie sind und sich an ihrem eigenen Fortschritt zu messen und zu erfreuen. Ein Ziel von mir ist es, den Kindern beizubringen, sich über ihren eigenen Fortschritt zu freuen und nicht immer zu versuchen, besser als der oder die andere zu sein.

 

Bisher waren alle Kinder, die bei mir den pädagogischen Schwimmunterricht besucht haben, absolute Nichtschwimmer. Teilweise machen sie den Eindruck, dass sie kaum – außer beim Duschen oder Baden daheim – Erfahrung mit dem Medium Wasser gemacht haben. Für einige Kinder ist das Wasser anfangs sogar unheimlich und angsterregend, für andere spannend oder eine Mischung aus alledem.

Meine erste Aufgabe ist es also, den Kindern die Angst zu nehmen und ein Vertrauensverhältnis zwischen ihnen, mir und dem Wasser zu schaffen. Erst dann ist es den Kindern möglich, sich auf die Übungen mit Hilfsmitteln und mit mir als Lehrer einzulassen. Schritt für Schritt werden so Erfolge im Wasser geschaffen. Dies geschieht dadurch, dass die Kinder durch Aufgaben gefordert, aber nicht überfordert werden. Individuell werden die Aufgaben an das Leistungsniveau der Einzelnen angepasst. Die Kinder lernen mit der Zeit, momentane Grenzen zu akzeptieren und ihren eigenen Fortschritt wertzuschätzen. Oft fällt es ihnen schwer, sich nicht mit anderen Teilnehmern zu vergleichen, sondern sich über den eigenen Fortschritt zu freuen. Dies gelingt dem ein oder anderen schneller beziehungsweise besser. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Kinder teilweise aus sehr schwierigen Familienverhältnissen kommen und schon im Alter von neun bis elf Jahren eine sehr negative Einstellung zu sich und dem Leben haben.

Einige Kinder werden durch ihre Erfolge stolz und glücklich, andere brauchen sehr viele Erfolgserlebnisse, bis eine gewisse Zufriedenheit eintritt. Ein Kind sagte einmal zu mir: „Das Leben ist scheiße und ich hasse mein Leben". Auch hätte sie eigentlich keine anderen Interessen außer fernzusehen.

Umso erfreulicher ist es , wenn genau dieses Kind mit der Zeit Freude und Selbstvertrauen im Wasser und mit den anderen Kindern entdeckt. Aus meiner jahrelangen Erfahrung mit Kindern bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass durch solche kleinen Erlebnisse eines Kindes das Leben und die „Erfahrungswelt“ im Allgemeinen in ganz andere Bahnen gelenkt werden können.

Solche negativen Grundeinstellungen und Weltbilder, die viele Kinder in diesem Projekt haben, gilt es, durch positive Erlebnisse aufzubrechen und durch positivere zu ersetzen. Dies ist meiner Meinung nach durch kleine Erfolgserlebnisse wie zum Beispiel beim Schwimmen möglich. Die Kinder werden je nach Mut und Können – mal langsamer und mal schneller – Schritt für Schritt an das Schwimmen herangeführt. Es gibt Kinder, die zwar noch nicht schwimmen können, aber von Anfang an mutig sind und offensiv an neue Herausforderungen herangehen. Allerdings gibt es auch Kinder, die von ihrer Angst so stark beeinflusst werden, dass jede neue Aufgabe eine riesige Herausforderung ist und sie so jede neue Aufgabe oder sogar teilweise auch die schon gelösten Aufgaben der vergangenen Woche sehr viel Überwindung kosten. Dieser Mangel an Selbstbewusstsein und Glaube an das eigene Können oder schlicht die Angst vor dem eigenen Misserfolg bestimmt nicht nur ihre Herangehensweise an die Aufgaben beim Schwimmen, sondern auch ihr alltägliches Leben. Sie gehen nur ganz zögerlich, ängstlich und vorsichtig an neue Aufgaben heran und dies auch oft nur mit positiven extrinsischen Anreizen. Die Kinder setzen oft Misserfolg mit persönlichem Versagen gleich. Ihnen zu vermitteln, dass Rückschläge auf dem Weg zum Erfolg meist dazugehören, ist eine große Aufgabe. Gerade diesen Kindern gibt es unheimlich viel Glauben an sich selbst, wenn sie auf einmal merken, dass sie eine Aufgabe, die sie selbst als unlösbar angesehen haben, geschafft haben.

Durch das Schwimmen und die Hilfestellungen im Wasser öffnen sich den Kindern neue Horizonte und sie erzählen mir nicht selten von ihren Problemen, Sorgen und Träumen in der Schule und auch von ihrem privaten Leben zu Hause. Die Tatsache wiederum zeigt mir, dass die Kinder ein gewisses Vertrauen zu mir aufgebaut haben, aber auch von mir einfordern. Es ist oft ein Balanceakt und eine Herausforderung für mich darauf zu achten, dass die Kinder nicht eifersüchtig aufeinander werden oder sich vernachlässigt fühlen, wenn ich dem oder der anderen etwas länger zuhöre.

Im Übrigen haben ein paar Kinder das Seepferdchen bestanden und sind jetzt natürlich ganz besonders stolz auf sich – und ich im Übrigen auch.

Johannes Scholz

 

Erfahrungsbericht vom Herrn Knittel (Diplomierter Sportpädagoge)

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und Bäderverantwortliche warnen schon seit Jahren, denn immer weniger Menschen können sicher schwimmen. Demnach sind im vergangenen Jahr allein in Deutschland 410 Menschen ertrunken, 351 davon in Binnengewässern. 457 Schwimmer wurden in letzter Minute gerettet. Begründen lassen sich diese Zahlen aus Sicht der DLRG mit den Ergebnissen einer selbst beauftragten Umfrage: 35 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sowie rund ein Viertel aller Erwachsenen können überhaupt nicht oder nur sehr schlecht schwimmen. Schlimmer noch: "Die Studie belegt, dass die Hälfte der Grundschüler am Ende der 4. Klasse keine sicheren Schwimmer sind" (aktuelle Statistik der DLRG)
Mit großen Bedenken beobachten auch Bademeister, für die damit die Verantwortung steigt, dass immer mehr Kinder in Frei- und Hallenbädern sich nicht über Wasser halten können, aber dennoch von den Eltern unbeaufsichtigt ins Becken gelassen werden. Diese Beobachtungen decken sich auch mit den Erfahrungen von Diplom Sportwissenschaftler Sebastian Knittel, der Sportlehrer am Lise-Meitner Gymnasium ist: „Schwimmen zu lernen ist eine Erziehungsaufgabe der Eltern, jedoch sind hier die Interessen oft gespalten. Schwimmen konkurriert mit anderen Aktivitäten und die Tagesabläufe der Schüler und Eltern sind vollgepackt mit anderen Verpflichtungen. Eltern fehlt die Zeit mit den eigenen Kindern ein paar Bahnen schwimmen zu gehen oder das Verständnis diese Fähigkeit zu vermitteln. Teilweise ist es aber auch das fehlende Schwimmvermögen der Eltern selbst. Diese Auswirkungen bekommen Sportlehrer in den Grund- aber sogar in den weiterführenden Schulen zu spüren.“
Hier greift das Projekt „Powern für Pänz - Jedes Leverkusener Kind soll schwimmen lernen“. Im zurückliegenden Schuljahr 2011/2012 hat Herr Knittel, der seit 2010 dabei ist, in Intensiv-Schwimmkursen zu maximal 6 - 7 Kindern wöchentliche Schwimmkurse im CaLevornia und den Sommerferiencrashkurs über zehn Unterrichtseinheiten im Wiembachtal geleitet. In diesen Schwimmkursen wurde auf die individuelle Entwicklung der Kinder gezielt eingegangen. Motivierte Grundschulkinder haben mit Freude, Spaß und Optimismus den Bewegungsraum Wasser spielerisch kennengelernt und wurden mit der richtigen Schwimmtechnik, Koordination, sowie Atemtechnik vertraut gemacht. Die Vermittlung von Verhaltensregeln im und am Wasser zählte ebenfalls dazu. Zu guter Letzt bekamen einige sichere Schwimmer nach erfolgreicher Prüfung freudestrahlend ihre Seepferdabzeichen mit Schwimmpass.
Schwimmen rettet Leben – das eigene und manchmal auch das Leben anderer!

 

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